Hörstation 9: Ruine Nünegg

 

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Hörstation 9:
Ruine Nünegg

Nünegg war einmal eine stattliche Burg! Sie war aber nicht sehr lange bewohnt: 1386 wurde sie, schon etwa 100 Jahr nach ihrem Bau, im Zuge der Schlacht von Sempach von den Eidgenossen niedergebrannt und zerstört.

Danach wurde sie nicht mehr aufgebaut. Man munkelt, dass ein Geist in den Gemäuern hause. Genaues weiss man aber nicht, weil kein Mensch, der damals dabei war, heute noch lebt. Und die Chroniken sind mit der Burg verbrannt.

Aber Drachen werden sehr alt. Darum kann es gut sein, dass ein Drache, der im 14. Jahrhundert noch klein war, heute noch lebt. Man müsste ihn fragen können! Der Drachenforscher Ambrosius Ferdinand Sigismund von und zu Drachenfels hat mehrere Versuche unternommen, Zeitzeugen unter den Drachen ausfindig zu machen und so diesem Rätsel auf die Spur zu kommen.

Er nutzte seine guten Beziehungen zum Lehrer Historius, ein Luftflugdrache, der in der Drachenschule die Kinder im Fach “Geschichte der Drachen durch die Jahrhunderte” unterrichtet.

Von ihm hat der Drachenforscher folgendes erfahren:

Vor 700 Jahren war der Ritter Sigismund Heribert Waldemar der Kühnliche zu Besuch auf der Burg Nünegg. Er verliebte sich in das Fräulein von Lieli, die Tochter des Herrn von Nünegg. Um sie zu beeindrucken, erlegte der Ritter den alten Drachen „Blitzius der Feurige“ mit einem feigen Pfeilschuss in den Rücken und brachte dem Fräulein ein Fläschchen mit frisch abgefülltem Drachenblut.

Aber das Fräulein von Lieli war Vegetarierin. Sie fand das alles grässlich und wies ihn zurück. Enttäuscht zog der Ritter weiter. Aber unterwegs begegnete ihm der Drache „Zundibus Flammibar“, der Sohn des getöteten alten Drachen. Und obwohl der damals noch ein Kind war, konnte er schon zünftig Feuer speien! Sigismund Heribert Waldemar der Kühnliche war plötzlich nicht mehr so kühnlich. Er hatte so Angst, dass er sich zuerst in die Rüstung machte und dann vor Schreck erstarrte.

Nach ein paar Jahren fand man nur noch einen kleinen Rosthaufen an dieser Stelle, aber der Ritter soll seither in der Burgruine Nünegg als Geist unterwegs sein.

Es gibt jedoch auch Leute, die behaupten, dass diese Geistergeschichte von den Drachen absichtlich verbreitet wird, damit sie die Ruine für sich haben. Denn die Burgruine Nünegg ist einer der Lieblingstreffpunkte der Drachen.

Erst letztes Jahr fand hier das berühmte Drachenfamilienfest statt.

Gibt es nun den Geist, oder gibt es ihn nicht? Und lebt Zundibus Flammibar noch, der alles miterlebt hat und davon erzählen könnte? Und wie könnte man ihn finden?

Wir wissen es nicht.

Aber vielleicht fragen Sie den Drachenforscher Ambrosius Ferdinand Sigismund von und zu Drachenfels. Seine Hochschule für Drakologie ist nicht weit von hier auf Schloss Heidegg.