Hörstation 3: Schloss Hallwyl

 

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Hörstation 3:
Schloss Hallwyl

Wenn man sich umschaut, sieht man, dass Schloss Hallwyl ein Wasserschloss ist. Der Aabach fliesst um die zwei Inseln, auf denen das Schloss gebaut ist, herum. Das Schloss ist vom Wasser umgeben – es plätschert überall. Auch bis zum Hallwilersee sind es nur ein paar Schritte.

Bei so viel Wasser können auch die Wasserdrachen nicht weit sein!

Und tatsächlich machen sie sich regelmässig einen Spass daraus, Schloss Hallwyl zu besuchen.

Man kann das verstehen, denn sie waren schon viel früher da, als die Menschen. Also betrachten sie das Schloss Hallwyl als Teil ihres Lebensraums. Vor ein paar hundert Jahren sollen sie sogar einmal durch das Tor ins Schloss gekommen sein. Nachher mussten die Bediensteten den Teppich von den Schlammspuren reinigen.

Es gibt auch Leute, die behaupten, dass sie bei den Bränden um 1400 mitgeholfen hätten, das Feuer zu löschen. Aber sogar wenn das stimmen sollte, hat das nicht viel geholfen. Die Schäden waren bekanntlich beträchtlich.

Heute ist die Situation noch einmal anders: Seit das Schloss ein Museum beherbergt, sind nur noch tagsüber Leute da. Und im Winter ist es ja für die Öffentlichkeit geschlossen! Dann sind nur die Museumsleute da und schauen ab und zu nach dem Rechten!

Als in einem der letzten kalten Winter die Wassergräben ums Schloss zugefroren waren, kam es zu einem seltsamen Vorfall: Plötzlich hörten die Museumsleute im Schloss ein Krachen und Stampfen, ein Grunzen und Trompeten, einen ohrenbetäubenden Lärm. Die Kuratorin und der Haustechniker getrauten sich erst aus dem Fenster zu schauen, als es wieder ruhig war. Sie sahen Löcher in den Eisfeldern und zerstampften Schnee. Sie fanden keine Erklärung dafür.

Der Drachenforscher Ambrosius Ferdinand Sigismund Maria von und zu Drachenfels, der zufällig davon hörte, erklärte, dass das ganz bestimmt die Wasserdrachen gewesen sein müssen. Es ist bekannt, dass diese im Winter grossen Spass am Eistrampeln haben. Ziel ist es, das Eis durch möglichst wildes Stampfen zu durchbrechen. Da der ganze See nur noch selten zugefroren ist (das letzte Mal im Jahr 1986) haben die Drachen dort selten Gelegenheit für diesen Spass. Darum kommen ihnen die Wassergräben gerade recht. Sie sind schneller zugefroren – und man kann nebenbei noch ein paar Menschen erschrecken.

Man fragt sich allerdings, warum es noch niemand geschafft hat die Wasserdrachen bei einem ihrer Ausflüge an Land zu fotografieren? Warum gibt es nicht mehr Augenzeugenberichte? Haben die Menschen solche Angst vor Drachen, dass sie bei einer Begegnung immer die Augen schliessen?

Wir wissen es nicht.

Aber wenn jemand von Ihnen einmal einen Drachen sieht, machen Sie doch bitte ein Foto für die drakologische Forschung. Es muss ja nicht unbedingt ein Selfie sein!